Wie wir die Corona-Krise erleben

Was zählt

Wir leben in spannenden Zeiten. Nie hätte ich gedacht, dass ein so kleiner Virus unser Leben so drastisch verändern kann. Ich wohne in einem mittelgroßen Ort am Land. Wir verfolgen alle paar Tage die Neuigkeiten unserer Regierung, die wir dann befolgen. Wir sind gesund und keiner meiner Bekannten ist krank. Äußerlich hat sich nichts verändert, aber trotzdem hat sich alles verändert, denn ich spüre eine Bedrohung, die weder ich noch jemand anders wirklich einschätzen kann. Diese Unsicherheit macht mir Angst. Diese Angst ist überall zu spüren, wenn man mit jemandem spricht.

Gleichzeitig erlebe ich einen starken Frieden, der garantiert von demjenigen kommt, der mich mittlerweile schon 34 Jahre an meiner Seite durchs Leben begleitet (und ich meine nicht meinen Mann). Ich kenne seine Zusagen, sein Wort und seine Pläne. Ich weiß, dass er die Kontrolle hat, uns alles zum Besten gereichen wird und ihn dieser Virus garantiert nicht aus der Bahn wirft – so wie mich zeitweise.

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Verändertes Leben

Unser Leben ist kaum wieder zu erkennen, meine drei Schulkinder sind zu Hause und versuchen sich zu orientieren in diesem „Juhu, wir haben Ferien, aber wir müssen viel lernen“ – Gefühl. Ich versuche nebenher zu arbeiten und gleichzeitig die Kinder anzuleiten und den Haushalt zu bewältigen. 

Im gleichen Rahmen genieße ich die Zeit mit meiner Familie. Wann hatten wir zum letzten Mal Zeit stundenlang zu spielen? Sogar die Teenager spielten mit und haben viel Spaß dabei.

Was wirklich wichtig ist

Dieses zuhause – Bleiben bringt mich zum darüber Nachdenken, was wirklich wichtig ist.

Was bleibt, wenn soziale Kontakte wegfallen, die Arbeit wegfällt, die Schule wegfällt und die Gesundheit gefährdet ist? 

Was wirklich bleibt, sind Beziehungen!

Beziehungen zu mir, zu meinen Lieben und auch zu Gott.

Wie oft verwende ich viel Zeit für Unwichtiges und verliere Wichtiges aus dem Blick! Die derzeitigen Begrenzungen weisen uns darauf hin, wie wichtig Beziehungen sind. Beziehungen zu Anderen machen mein Leben reich, bunt und lebendig. Ich meine nicht nur gute Beziehungen, denn auch Konflikte machen mich lebendig. Selbst wenn man einsam ist, merkt man, welche Beziehungen einem wichtig sind und man lernt sie noch mehr zu schätzen, wenn man diese Menschen nicht einfach mal so besuchen kann.

Was wir daraus lernen

Auch die Beziehung zu mir selbst beschäftigt mich. 

Wie gehe ich mit mir um? Was tut mir gut, gibt mir Kraft, wenn ich Angst habe oder hoffnungslos bin? 

Mir tut die Zeit mit meinem himmlischen Papa gut und diese Beziehung zu ihm kommt oft zu kurz in meinem sehr vollen Alltag. Ich muss zugeben, dieses unfreiwillige Entschleunigen gibt mir sehr viel Gutes, denn ich verbringe Zeit mit Dingen, für die ich normalerweise keine Zeit habe. 

Es tut meinen Kindern gut. Sie lernen Selbstverantwortung und sich ihren Schultag selbst zu strukturieren. Ihnen wird auch klar, wie gut ihnen ihre Freunde tun. Ich kann mich nicht erinnern, dass sie sich jemals so auf die Schule gefreut haben.

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Es tut unserer Familie gut, denn es kommen Konflikte auf den Tisch, die schon lange brodeln. Sie werden beleuchtet, ausdiskutiert, argumentiert und es werden Vereinbarungen getroffen. Versöhnung geschieht.
 
Es tut meiner Ehe gut und ich erlebe eine Tiefe in unserer Liebe, wie noch nie zuvor. Auch wenn ich mich auf das normale Leben freue, habe ich einiges gelernt über das Leben und was wirklich im Leben zählt, nämlich:
Gesundheit und gute Beziehungen.
 
Ich hoffe sehr, dass ich diese neuen Erfahrungen nie wieder vergesse und ich das Neue, das entstanden ist, in den normalen Alltag mitnehmen kann.
 
Eure Petra Regl