Neu anfangen – aber wie?

Es kann schneller geschehen als wir denken: wir haben uns gegenseitig „aus den Augen“ verloren. Der Beruf und die Familie haben uns im Griff.  Vielleicht führen wir gerade einen Überlebenskampf.  Die Person, mit der wir Tisch und Bett teilen, ist fast zur Nebensache geworden, da unsere Gedanken sich in Stresszeiten auf das Wichtigste konzentrieren müssen. Der Andere ist zwar da, er kümmert sich darum, dass bestimmte Dinge laufen – doch die Herzensverbindung, die wir einmal hatten, ist unterbrochen. Leise stellen wir uns dann die Frage:

Wie können wir in unserer Beziehung wieder neu anfangen?

Bestandsaufnahme machen

Von Zeit zu Zeit ist es wichtig, Inventur zu machen und den Ist–Zustand unserer Beziehung festzustellen.

Ein paar Fragen können uns weiterhelfen:

Wenn nur eine dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden kann, hat das Interesse aneinander bereits nachgelassen.

Vielleicht haben wir schon länger daran gedacht, dass uns einiges an unserem Partner inzwischen unbekannt vorkommt. Ohne gründliche Bestandsaufnahme läuft gar nichts Neues in unserer Beziehung.

Mit Erschrecken stellen wir fest: wenn wir jetzt nichts tun, dann könnte es einmal zu spät sein. Da heißt es innezuhalten, anzuhalten und wahrzunehmen, wie weit wir voneinander entfernt sind.

Wie warm oder kalt ist es gefühlsmäßig zwischen uns?

10, 20, 30, 50, 70 Grad? Weiß ich noch, womit sich mein Partner gedanklich und gefühlsmäßig beschäftigt? Was kann verändert werden? Womit kann ich beginnen? Ein einfaches Gebet kann Wunder wirken: „Herr, zeige mir, was ich verändern kann, was ich beitragen kann zu unserer Beziehung.“

Partnerersatz

Je mehr wir das Interesse aneinander verlieren, desto mehr suchen wir oft an anderer Stelle nach Bestätigung und Anerkennung. Die Anerkennung im Beruf oder in der Kirchengemeinde kann diesen Platz schnell einnehmen. Er wird zum „Partnerersatz.“ Der Mann ist mit der Firma, dem Verein oder der Gemeinde verheiratet. Wenn er nach Hause kommt, erwartet ihn die nörgelnde Hausfrau und Mutter. Schnell hat er einen Grund, hinter dem Computer zu verschwinden. Der Computer kann zur „Ersatzbefriedigung“ werden für eine Beziehung, die kalt geworden ist. Affären nehmen hier ihren Anfang.

Wie möchte ich in 10-20 Jahren meine Beziehung leben?

Die Frage schockiert vielleicht,  rüttelt aber auch auf, neu zu investieren!

Den Anfang machen

Jeder kann immer wieder den Anfang für ein neues Miteinander machen. Derjenige dem es bewusst wird, macht den Beginn. Er geht wieder auf den Anderen zu und spricht sein Bedürfnis z. B nach mehr Nähe aus. 

Um einen Neuanfang zu schaffen, hilft vielleicht ein einfacher, aber wirksamer Tipp: Nehmt euch Zeit füreinander, egal in welcher Form. Lernt euren Partner im gemeinsamen Gespräch neu kennen. Wie dies am besten gelingt: Reserviert euch Zeit nur für den Partner, ruhig ein paar Stunden. Sorgt dafür, dass ihr euch gut unterhalten könnt.

Beachtet folgende Dinge:

Worüber du dich mit deinem Partner unterhalten kannst:

Wenn wir mehr von uns erzählen und am Leben des anderen mit viel Interesse teilnehmen, werden wir staunen, wie schnell unsere Beziehung enger wird. Der Partner wird merken, dass ich mich wieder mehr für ihn interessiere, und wird nach meinen Bedürfnissen und Interessen fragen. Es wird wieder anfangen zu knistern.

Neuanfänge sind nicht schwer

Um Neuanfänge in unseren Beziehungen zu starten, braucht es oft weniger als wir denken. Fragen stellen, hinhören, ernst nehmen, was der Andere sagt, zwischen den Zeilen lesen, Bedürfnisse wahrnehmen – sind nur ein paar Dinge, die nichts kosten und doch viel bewirken. Es muss nicht erst der große Crash kommen, damit wir aufwachen und den Scherbenhaufen vor uns sehen. 

Vorsorgen ist besser als heilen!

Eure Esther Lieberknecht