Kommunikation auf Augenhöhe

Können wir von Gott und seiner Art für unseren Alltag lernen? 

Das miteinander Reden ist ein Zeichen für die Art unserer Beziehung als Mann und Frau.

Er:  „Schatz, weißt Du, dass es an der Zeit ist, unser Mittagessen zu bereiten? Ich würde Dir gern dabei helfen.“  (Augenhöhe)

Sie: „Schon wieder essen! Wir haben doch gerade erst (um 8 Uhr) gefrühstückt.“  (Selbsterhöhung)

Er:  „Aber es ist schon 13 Uhr, und es dauert doch alles seine Zeit.“  (noch Augenhöhe)

       „Immer ist es dasselbe, dass  Du die Zeit vergisst!“  (Fremdherabstufung)

Sie: „Du bist immer wieder so gemein zu mir und denkst nur an Dich! (Fremdherabstufung)

Er:  „Und Du vergisst immer wieder die Zeit! Die Uhr sagt eben, dass es schon lange her ist, als wir miteinander gefrühstückt             haben.“  (Selbsterhöhung)

Sie: „Ich will ja pünktlich sein.“  (Selbstherabstufung)

       „Du bist eben im Umgang mit der Zeit genauer und konsequenter.“  (Fremderhöhung)

Was geschieht hier eigentlich?

Denken wir an eine Wippe: einer ist immer oben, der andere dann zwangsweise unten. Mit genug Schwung kann diese Situation sich schnell verändern. Dann ist der andere oben und der erste lässt den Partner einfach „verhungern“. 

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Unser Ehealltag bietet solche Situationen:

  • 1. Selbsterhöhung
  • Das kennen wir wohl alle nur zu gut, dass einer sich selbst erhöht und sich dem anderen gegenüber überlegen fühlt. „Keiner ist so gut wie ich!“ „Du kannst dankbar sein, dass Du gerade mich hast.“ Die Selbsterhöhung dient dem Zweck der eigenen Statuserhöhung und setzt den Partner unter Druck. „Handle so, wie ich es von dir möchte!“ „Ich bin dir sowieso überlegen.“ Auf der Wippe ist der Selbsterhöher selbstverständlich oben.
  • 2. Fremdherabstufung
  • Wenn sich einer selbst erhöht, ist der andere auf der Wippe automatisch unten. Unweigerlich bekommt durch die Selbsterhöhung des Einen der Andere den Tiefstatus zugewiesen. Die heimliche Botschaft lautet: „Wenn Du Dich so verhältst, wie ich es möchte, wirst Du nicht verletzt.“
  • 3. Selbstherabstufung
  • Du kannst dich bewusst selber herabstufen. Damit gewinnt der Andere den Hochstatus. Die Botschaften an den Partner lauten dann etwa: „Ich weiß genau, dass du es wirklich besser machst.“ „Ich kann sowieso nicht so viel wie du.“ Oft liegen hinter solchen Botschaften versteckte Bedürfnisse. Man möchte wahrgenommen werden – und wenn es nur durch das Mitleid des anderen ist. Die Botschaft ist: „Du kannst mir helfen, ohne Angst zu haben, dass ich Dir irgendwann einmal über den Kopf wachse.“
  • 4. Fremderhöhung
  • Die Fremderhöhung ist eine aus der eben geschilderten Situation abgeleitete Form der Kommunikation. Indem man sich selbst klein macht, gewinnt der andere an Größe. Die Botschaft ist: „Keine Angst, ich wachse Dir schon nicht über den Kopf“ oder „Toll, wie groß Du bist, ich erkenne Deine Überlegenheit an.“ Wenn einer sich klein macht, bleibt dem anderen nichts weiter übrig, als die ihm zugewiesene Hochstellung anzunehmen.

Warum können wir anhand dieser Situation von Gott lernen?

In Lukas 15 wird uns in einem Gleichnis Gottes väterliche Art vor Augen gehalten.

Wir erfahren, dass es neben den hier geschilderten Haltungen eine weitere gibt, nämlich die „Augenhöhe“. Es geht in dem Kapitel der Bibel um einen Sohn, der sein Erbe vorzeitig fordert und dann anschließend großzügig verschleudert. Als er nichts mehr hat, erinnert er sich an seinen Vater. Er beschließt, zurückzukehren und sich als Knecht zu bewerben. Aber der Vater nimmt ihn wieder als Sohn auf.

Schauen wir uns diesen Dialog genauer an:

Sohn: Gib mir! (Hochstatus)

Vater teilt das Erbe auf.  (Augenhöhe)

Sohn geht los.  (Hochstatus)

Vater bleibt zurück und macht weiter seine Arbeit.  (Augenhöhe)

Sohn kehrt heim und will Knecht werden.  (Tiefstatus)

Vater nimmt ihn als Sohn auf.  (Augenhöhe)

Wenn wir in der Bibel nach Gottes Art forschen, entdecken wir immer wieder diese Augenhöhe zwischen IHM und uns.

Als Ehepaar miteinander reden und dabei diese Haltung bewahren, hilft uns, einander besser und mit der gebührenden Wertschätzung zu begegnen.

Sabine und Siegbert Lehmpfuhl

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