Impulse #1 Ostern 2020

Ostern1
Bildrechte: Verlagsgruppe Patmos

Simon von Kyrene – wie einer „zufällig“ Jesus fand

„Sie zwangen einen Vorübergehenden, einen gewissen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater von Alexander und Rufus, Jesus das Kreuz zu tragen.“                           

Markus 15,21

Ein Kreuzwegbild von Pfarrer Sieger Köder 

Zwei Männer stehen eng einander, ihre Gesichter und Körper berühren sich. Sie ähneln einander. Im Gesicht des Rechten, Jesus, sieht man ein paar Blutstropfen, Kratzer von der Dornenkrone, die die Soldaten Jesus auf den Kopf gesetzt hatten. Todesbleich ist sein Gesicht und das rote Gewand erinnert an Blut, Symbol für die Geißelung und Dornenkrone. Je eine Hand umfasst den Balken, die andere umfasst den anderen an der Hüfte. Die Arme überkreuzen sich hinter ihren Rücken. Einer trägt die Last für den anderen mit. Ihr Blick geht in die gleiche Richtung, auf den Weg vor ihnen, auf das, was jetzt kommt.

Simon von Kyrene ist mit wenigen Strichen in die Leidensgeschichte von Jesus hineinverwoben. Doch gerade diese Gestalt ist sehr bemerkenswert.

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Es ist kurz vor dem Passahfest in Jerusalem. Simon, ein einfacher Feldarbeiter, ursprünglich aus Kyrene in Libyen, hat es eilig nach Hause zu kommen zu seiner Familie, um noch etliche Vorbereitungen zu treffen.  

Plötzlich wird es ziemlich unruhig. Er trifft auf eine Volksmenge. In deren Mitte kann er römische Soldaten erkennen und auch irgendwelche Verurteilte, die ein Kreuz tragen. Sich nur nicht aufhalten lassen, denkt er.  Mal sehen, wie man sich schnell vorbei drücken kann, denn er ist müde und hungrig und freut sich schon auf das Passahfest, den Höhepunkt im jüdischen Festkalender.

Doch da treten ihm Soldaten in den Weg, ergreifen ihn und befehlen ihm, dem gemarterten und geschwächten Jesus den Querbalken des Kreuzes zu tragen. Sofort legen sie ihm schweren Balken auf die Schulter. Nun geht er hinter Jesus her, den Weg nach Golgatha, zur Schädelstätte. Wie war er nur in diese Situation geraten? Warum gerade er? Warum war er nur zur falschen Zeit am falschen Ort?

Alles Zufall?

Doch war das reiner Zufall? Zufällig trägt er das Kreuz Jesu.Steht unter dem Kreuz. Erlebt, wie Jesus seinen Peinigern vergibt. Hört wie Jesus einem Verbrecher aufgrund seiner Reue das ewige Leben bei ihm zuspricht. Hört wie der Hauptmann sagt: „Dieser ist wahrlich Gottes Sohn gewesen.“

Alles nur Zufall?  Wie ist das bei uns? Sind unsere Erfahrungen, die vielen Geschenke, aber auch Krankheit, Leid, Not rein zufällig?

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In allem Gottes Plan?

In der Josefsgeschichte sagt Josef zu seinen Brüdern: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, wie es jetzt am Tag ist, um ein großes Volk am Leben zu erhalten.“ (1.Mose 50,20)
Und in der Leidensgeschichte Jesu?  Sehen wir nicht auch da „mit und unter und in allem“ den lebendigen Gott am Werk? Das Ziel, der Sinn in der Leidens- und Auferstehunggeschichte Jesu sind du und ich.

Wir sehen in Jesus, in seiner totalen Hingabe, die große, erstaunliche Liebe Gottes zu uns – Vergebung unserer Sünden, Versöhnung und Frieden mit Gott, Söhne und Töchter Gottes, neues, ewiges Leben in Jesus, Hoffnung über Tod und Grab hinaus. Paulus drückt es so aus: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Römer 8,28).

Eine Erfahrung ohnegleichen?!

Simon von Kyrene trägt das Kreuz Jesu, er geht hinter Jesus her, er tritt in seinen Fußstapfen – zufällig, nicht freiwillig, gezwungen. Und doch – gerade auf diesem Weg keimt das neue Leben aus Gott in ihm.

Er erlebt Jesus in den letzten Stunden seines Lebens. Er bekommt geöffnete Augen für den Messias Jesus, den Sohn Gottes, den Retter und Erlöser.

Weitreichende Folgen?!

Simon von Kyrene ist später Christ geworden. Er hat seiner Frau, seiner Familie, seinen Kindern von diesem gravierenden Erlebnis erzählt, das sein Leben so sehr verändert hat. Seine Söhne Alexander und Rufus werden namentlich erwähnt (Markus 15,21), ebenso die Mutter der beiden, weil sie zur christlichen Gemeinde in Rom gehören (Römer 16,13).

Es gibt verschiedene Wege, wie wir zu Jesus Christus finden. Manches, was als zufällig erscheint, ist Gottes Liebesplan, um uns zu sich zu ziehen, um uns Vergebung und ewiges Leben, ein sinnerfülltes und hoffnungsvolles Leben zu schenken.

Ein neues Lebensmotto?!

Als Simon von Kyrene das Kreuz Jesu auf sich nahm, war sein Leben fortan nicht mehr dasselbe. Er nahm das Kreuz auf sich, zunächst zufällig gezwungen, später bewusst freiwillig.

Das Bild von Sieger Köder nimmt diesen Gedanken auf. Jesus sagte in Gethsemane „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe“ und nahm damit den Kreuzesbalken auf.

Genauso nehmen auch wir den Kreuzesbalken auf uns: „Nicht mein, sondern dein Wille geschehe, Herr Jesus Christus.  Von Natur aus sind wir auf dem Selbstverwirklichungstrip „Ich, meiner, mir, mich“. Dann aber geht es um Jesus und seinen Willen in unserem Leben.

Er macht uns frei von Selbstverwirklichung hin zur Christusverwirklichung. Jesus soll in und durch unser Leben sichtbar werden.

Sein Licht soll durch uns hindurchstrahlen und das gerade auch jetzt in dieser Krisenzeit. Für andere beten, mit anderen beten, andere ermutigen, für andere einkaufen, anderen den Weg zu Jesus zeigen.

Pfr. Erhard Lieberknecht