Helden

Ein schön angelegtes, blitzsauberes Aquarium, in dem sich eine große Auswahl an bunten Fischen, größeren und kleineren, bis hin zu winzigen, tummeln. Sie ziehen friedlich ihre Kreise und scheinen, von außen betrachtet, ein friedliches Leben zu führen.

Unerwarteter Eingriff

Plötzlich wird diese Idylle gestört, Forscher drängen sämtliche Fische in eine Hälfte des Aquariums und sperren es in der Mitte mit einer Glasplatte ab.

Sämtliche Fische reagieren hektisch, schwimmen aufgeregt hin und her. Immerhin wurden gerade ihr bisheriger Rhythmus aufgelöst, ihre Rituale, ihre Schwimmrunden zerstört. Sie sind gezwungen, sich in neue Abläufe zu fügen. Permanent stoßen sie sich an der neuen, für sie nicht erkennbaren Glasfront, sie wollen zu Beginn unbedingt in die andere Hälfte des Beckens, sie wollen ihre alten Routen finden.

Irgendwann müssen sie aber erkennen, dass sie dieses Hindernis nicht überwinden können. Sie beginnen, sich in die Situation einzufügen und finden neue Wege, neue Abläufe. Diese neuen Bedingungen werden so zu ihrer neuen Realität.

Veränderung

Nach Wochen kommen sie erneut, diese Forscher, und nehmen die Trennscheibe wieder heraus. Für die Fische wäre es ein Leichtes, die zweite Hälfte des Beckens wieder für sich zu entdecken und in Besitz zu nehmen. Erstaunlich ist aber vielmehr die Erkenntnis, dass die Fische dies nicht tun. Sie ziehen nach wie vor ihre nun neuen Bahnen, die sie sich erarbeitet haben und weichen nicht davon ab. Es dauert ungewöhnlich lange, bis sich einer aus dem Schwarm (man könnte ihn visionär, revolutionär, ja auch verrückt, wie auch immer, nennen) über diese magische, weil nicht existente Grenze wagt und Neuland für sich entdeckt. Erst langsam, ängstlich, vorsichtig, Zug um Zug folgen ihm dann die anderen.

Parallelen

Dieses Experiment ist ein Spiegelbild von uns Menschen. Wir schaffen uns künstliche, irreale „Riffe“ und verbieten uns selbst, diese Grenzen zu überwinden. Wir halten sie für real, für normal, weil sie gesellschaftlich anerkannt, meistens ja sogar erwünscht sind und den Zielen einzelner weniger dienen. Es benötigt eines Helden, eines Wagemutigen, der sich über diese Grenze wagt, der den ersten Schritt tut.

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Die Gesellschaft weiß meist nichts anderes zu tun, als dies zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Immerhin erschüttert ein solcher Wagemut die geschaffene Ordnung und Struktur, das bisherige Verständnis von Sicherheit. Einerseits werden diese Helden bewundert, andererseits aber ob ihres Heldentums verdammt. 

Auch hier ist es so, dass diese neuen „Landgewinne“, diese neuen Perspektiven erst Zug um Zug entdeckt, erobert werden. Zuerst werden potentielle Helden behindert, wo es nur geht; um sie nach ihrem Erfolg zu bejubeln, wo es nur geht.

Jemand fragte vor kurzem: „Wie finde ich die Vision, Berufung für mein Leben?“.

Die Antwort war knapp und präzise:

„Lies die Apostelgeschichte in der Bibel. Sie handelt von Gottes Vision für unser Leben und ist voll von Heldengeschichten!“.

Euer Helmut Hain