Ein himmlisches Geschenk

Ich sitze am Balkon unserer Wohnung und denke über einen Satz nach, den ich kurz zuvor gelesen hatte:

„Ich habe dich dir geschenkt – Gott.“

An diesem Satz habe ich richtig zu knabbern. Ich nehme ihn auseinander, ich betrachte die einzelnen Worte, ich wende ihn hin und her. Es hat immer etwas mit mir zu tun, wenn mich etwas so bewegt. Ich kenne die Sätze: „Du bist ein Geschenk Gottes“ und „Du bist ein Geschenk für mich.“ Nicht immer konnte ich diese Sätze glauben oder sogar für mich annehmen. Aber der Gedanke, dass ich mir selbst geschenkt bin, den musste ich erst lernen zu denken, er war neu für mich.

Mir selbst geschenkt sein

Über Geschenke freue ich mich immer. Der Moment, ein Geschenk auszupacken und mich überraschen zu lassen, von dem was ein anderer sich für mich ausgedacht hat, um mir eine Freude zu machen, finde ich immer den spannendsten. Dieses Mal stelle ich mir vor wie ich ein Geschenk aufmache und ich lese die Aufschrift: „Das bist du – für dich – ausgedacht von Gott.“ Ich packe weiter aus und in dem Geschenk befinde ich mich selbst. Ich schaue in mein Gesicht, ich sehe mich, ich sehe vollkommen aus, ich freue mich an dem was ich sehe.

Ich sehe das lebendige Original meiner selbst, keine Wachsfigur, kein blasses Abbild, sondern so wie mich Gott geschaffen und gedacht hat. Ich bin vollkommen ausgedacht, und liebevoll gemacht. So viel Liebe liegt darinnen. Damit kann ich nicht unachtsam umgehen. Damit kann ich nicht so tun, als ob ich mir egal bin.

Ich denke an Psalm 138,14 Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast.

Das Original fragen

Wie wäre es, wenn ich bei den nächsten Fragen, die ich über mich habe, das Original fragen würde: du, mein Original, so wie Gott mich gedacht hat, kennst du dich aus mit diesen Gefühlen? Kennst du dich aus mit diesen Gedanken? Was würde das Original wohl antworten? Es würde wahrscheinlich sagen: Das ist ok so, du musst nicht anders denken und fühlen, das gehört so zu dir, du musst dich nicht schämen, dass dir etwas nicht gelungen ist.

Das gehört zu dir und ist von deinem Schöpfer so gedacht. Früher hätte ich gefragt: Ist es ok, wenn ich so zurückgezogen bin, wenn ich mich eher verkrieche und meine Ruhe haben möchte? Ja, würde das Original sagen: Das ist von Gott so für dich gedacht, du darfst die Introvertierte sein, die viel mit sich selber ausmacht und mehr in die Tiefe geht. Jemand anders würde fragen: Warum bin ich in der Gefahr mich so sehr zu verausgaben, dass ich dann erschöpft bin? Hier könnte das Original sagen: du bist als jemand gedacht, der viel geben kann, aber auch du hast deine Grenzen, achte auf deine Grenzen.

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Die Herausforderung

Als ich Gott frage, was er mir mit diesem Geschenk an mich zeigen möchte, macht er mir deutlich, dass dieses Geschenk gleichzeitig eine Herausforderung an mich ist. Ich darf erkennen, wenn ich die Kreation Gottes anschaue, wo ich noch wachsen und reifen darf. Ich darf erkennen, was mir noch fehlt an Liebe zu bestimmten Menschen. Ich darf erkennen, was Gott an Gaben in mich hineingelegt hat und was ich gebrauchen darf. Ich darf mit mir und meiner Persönlichkeit endlich Frieden schließen, muss nicht länger unzufrieden mit mir sein.

Die Herausforderung liegt nun darin, dieses Geschenk an mich selbst nicht wegzupacken und in einer Ecke verstauben zu lassen. Gehe ich nicht manchmal so mit mir um? Lasse mich selbst irgendwo in einer Ecke stehen, beachte mich nicht, erkenne meinen eigentlichen Wert nicht?

Erkenne ich die Bedeutung, die mir Gott gegeben hat?

Oder bin ich wie ein Teppich, der schon ausgefranzt ist, auf dem man aber immer noch herumläuft? So ist das Geschenk Gottes an mich nicht gedacht.

Bin ich ein Gebrauchsgegenstand wie eine Rührschüssel, in der tagtäglich Teig produziert wird, um andere zu ernähren? Nütze ich mich selbst bis zur Selbstaufgabe ab? Ich könnte nun viele Gegenstände nehmen und mich damit vergleichen. Welcher Gegenstand wäre für mich passend?

Mir selbst Freundin/Freund werden

Kann ich mein Original umarmen? Mir selbst eine Freundin/ein Freund sein? Kann ich sagen, ja, ich mag mich!  Oder steht es als Frage in meinem Leben, wenn ich mich anschaue: Mag ich mich? Kann man mich mögen? Kann ich mich lieben? Kann ich meine Vergangenheit annehmen?

Kann ich mein „Geworden sein“ annehmen? Sobald ich mich wie eine Freundin/ein Freund umarme, ist sie da, die Wärme und Liebe zu mir selbst. Ich kann mir in die Augen schauen und sagen: Du bist toll gemacht, du hast wunderbare Gaben, nütze und gebrauche sie. Du hast eine wunderbare Persönlichkeit mit ihr darfst du weiter durchs Leben gehen. Sie ist dein Begleiter, den du nicht versuchen musst abzuschütteln. Du darfst beginnen dich zu lieben.

Anvertraut von Gott

Gott hat mich mir anvertraut. Welche Aufgabe liegt da vor mir! Ich darf mich kennen und lieben lernen, ich darf liebevoll mit einer wertvollen Kreation umgehen. Gott hat mich mir in die Hände gelegt, um sorgsam wert zu schätzen, was er in mir bereitet hat.

Mein Sein hat seinen Ursprung in den liebevollen Überlegungen Gottes für mich. Gott selbst hat mit mir einen größeren Plan. Teil dieses Plans zu sein ist Erfüllung pur.

Esther Lieberknecht

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