Beziehung zu Gott – wie geht das?

Die Entscheidung

Vor über 30 Jahren habe ich mich entschlossen, mein Leben mit Gott als Ratgeber und der Bibel als Kompass zu leben. Ich lernte, dass ein guter Christ täglich morgens eine Stunde „Stille Zeit“ hält, um zu beten. Heute weiß ich nicht mehr, ob ich diese Botschaft als Predigt hörte, oder ich mir diese Regel selbst auferlegt habe. Obwohl ich ein Morgenmensch bin, habe ich es nie geschafft, diese Zeit einzuhalten. Ich war frustriert, fühlte mich minderwertig und als komplette Versagerin.

Routine finden

Mit den Jahren lernte ich Gott, sein Wort und mich selber besser kennen. Ich erkannte, dass mir sehr schnell langweilig wird und ich mich bei monotonen Tätigkeiten schlecht konzentrieren kann. Ebenso merkte ich, dass der Begriff „Stille Zeit“ nicht in der Bibel zu finden ist.

Gott möchte nicht, dass wir uns Regeln auferlegen und religiöse Übungen daraus machen.

Er will in Beziehung mit uns leben und wir dürfen ebenfalls in Beziehung mit unserem himmlischen Papa sein. Dieser Gedanke hat mich begeistert, denn ich liebe Beziehungen und wollte diese Aufforderung von Gott unbedingt in meinem Leben umsetzen. 

Gott möchte Beziehung mit uns

Das Ganze war natürlich ein Prozess und heute kann ich sagen, dass ich in dieser Beziehung lebe und das sieht in meinen Leben so aus:

  • 1. Selbsterhöhung
  • Das kennen wir wohl alle nur zu gut, dass einer sich selbst erhöht und sich dem anderen gegenüber überlegen fühlt. „Keiner ist so gut wie ich!“ „Du kannst dankbar sein, dass Du gerade mich hast.“ Die Selbsterhöhung dient dem Zweck der eigenen Statuserhöhung und setzt den Partner unter Druck. „Handle so, wie ich es von dir möchte!“ „Ich bin dir sowieso überlegen.“ Auf der Wippe ist der Selbsterhöher selbstverständlich oben.
  • 2. Fremdherabstufung
  • Wenn sich einer selbst erhöht, ist der andere auf der Wippe automatisch unten. Unweigerlich bekommt durch die Selbsterhöhung des Einen der Andere den Tiefstatus zugewiesen. Die heimliche Botschaft lautet: „Wenn Du Dich so verhältst, wie ich es möchte, wirst Du nicht verletzt.“
  • 3. Selbstherabstufung
  • Du kannst dich bewusst selber herabstufen. Damit gewinnt der Andere den Hochstatus. Die Botschaften an den Partner lauten dann etwa: „Ich weiß genau, dass du es wirklich besser machst.“ „Ich kann sowieso nicht so viel wie du.“ Oft liegen hinter solchen Botschaften versteckte Bedürfnisse. Man möchte wahrgenommen werden – und wenn es nur durch das Mitleid des anderen ist. Die Botschaft ist: „Du kannst mir helfen, ohne Angst zu haben, dass ich Dir irgendwann einmal über den Kopf wachse.“
  • 4. Fremderhöhung
  • Die Fremderhöhung ist eine aus der eben geschilderten Situation abgeleitete Form der Kommunikation. Indem man sich selbst klein macht, gewinnt der andere an Größe. Die Botschaft ist: „Keine Angst, ich wachse Dir schon nicht über den Kopf“ oder „Toll, wie groß Du bist, ich erkenne Deine Überlegenheit an.“ Wenn einer sich klein macht, bleibt dem anderen nichts weiter übrig, als die ihm zugewiesene Hochstellung anzunehmen.
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Ich kann alles mit IHM teilen

Gott hat uns den Heiligen Geist als Begleiter geschenkt und ich bespreche alles mit IHM, sei es auch noch so klein und unwichtig, denn es ist nichts zu klein und nichts zu groß, als dass es Gott nicht interessieren würde. Meine Beziehung zu Gott ist sehr abwechslungsreich geworden, wenn ich müde bin oder mich schlecht konzentrieren kann, höre ich Lobpreismusik via YouTube. Dies hilft mir, meine Prioritäten zu ordnen und meinen Blick auf Gott und seine Ziele zu richten. Wenn ich Angst habe, singe ich Lobpreislieder, denn so verschwindet die Angst.  

Individuell, innig und bunt

Wenn ich in der Bibel lese, sieht das jedes Mal anders aus. Manchmal lese ich ein Kapitel nach dem anderen und kann nicht genug bekommen. Ein andermal lese ich wochenlang den gleichen Abschnitt oder sogar nur einen Vers, damit er sich ganz tief in mein Herz einbrennen kann. So wird meine Beziehung zu Gott sehr bunt, mit Höhen und Tiefen, voller Gefühle, Leidenschaft, Bewegung, Natur, Farben und Musik. So entspricht meine Beziehung zu Gott meiner Persönlichkeit. Gott ist unglaublich vielfältig in seinen Möglichkeiten uns zu begegnen.

Es ist gut, wenn jeder seine individuelle Art findet und seine Beziehung zu Gott lebendig gestaltet.

Eure Petra Regl