Wie Maria das erste Weihnachten erlebt

Teil 2

Mit Joseph unterwegs

Joseph lässt mich nicht im Stich, das erleichtert mich sehr. Als ich mit meiner Mutter die Wäsche wasche, kommt mir eine Idee: Könnte ich nicht Elisabeth meine Tante besuchen? Sofort bespreche ich es mit meiner Mutter. Sie hat nichts dagegen, zumal meine Tante ja auch schwanger ist. Sie ist schon etwas älter und zum ersten Mal schwanger geworden, der Engel hat es mir gesagt.

Mein Vater sucht eine Karawane mit der ich ins Bergland von Judäa zu Elisabeth reisen kann. Auf der Reise habe ich viel Zeit zum Nachdenken und zum Beten. Mein Kind wird ein Kind Gottes sein. Ich möchte für dieses Kind die beste Mutter sein.

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Meine Tante freut sich sehr, dass ich sie besuche. Sie schließt mich in ihre Arme und begrüßt mich, als Mutter ihres Herrn, herzlich. Sie weiß, dass ich schwanger bin mit Gottes Sohn. Ich kann nicht anders als Gott zu danken und zu loben.

Ich bleibe drei Monate bei Elisabeth. Sie bringt mir das Spinnen bei und zeigt mir, wie ich mit der Wolle Babysachen stricken kann. Das erste Hemdchen für den kleinen Jesus ist fertig.

Als ich wieder zu Hause bin, bin ich so gespannt wie es weitergeht. Hält Joseph noch zu mir? Inzwischen ist es nicht mehr zu verheimlichen, dass ich schwanger bin. Was werden die Nachbarn sagen? Joseph besucht mich und wir beschließen zu heiraten. Ich bin glücklich, wie noch nie in meinem Leben.

Doch da gibt es eine außergewöhnliche Neuigkeit: Es wird verkündigt, dass es eine Volkszählung geben wird. Jeder im Reich muss sich in seinem Heimatort einschreiben. Joseph muss nach Bethlehem reisen, wo seine Eltern herkommen. „Ich will mit dir nach Bethlehem gehen“ sage ich zu Joseph. „Dann lass uns sobald als möglich heiraten,“ meint Joseph.

Nun laufen die Hochzeitsvorbereitungen auf Hochtouren; meine Mutter näht mir ein schönes Kleid, Vater holt Wein, und bringt den Garten in Ordnung. Für mein zukünftiges Zuhause habe ich alles selbst genäht. Alle Nachbarn und Freunde sind zur Hochzeit eingeladen.

Bei der Hochzeit hat Joseph ein weißes Kleid an. Es gibt eine Chuppa, ein Festzelt, unter dem das Hochzeitspaar verheiratet wird. Sieben Mal muss ich mit meiner Mutter meinen zukünftigen Mann umkreisen, der unter der Chuppa steht. Als ich mit Joseph unter der Chuppa stehe, sprechen wir das Eheversprechen: „Ich gehöre meinem Geliebten und mein Geliebter gehört mir. Danach feiern wir drei Tage lang unsere Hochzeit.

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Nun wird es Zeit, die Sachen für unsere Reise nach Bethlehem zu packen. Joseph packt alles auf unseren treuen Esel. Viele Sachen sind für das Baby schon dabei. Decken und Tücher, Essen und Wasserkrüge brauchen wir auch. Ungefähr sechs Tage werden wir zu Fuß unterwegs sein. Vor jeder Rast suchen wir ein schattiges Plätzchen. Wir essen getrocknete Datteln und Kuchen.

Während wir laufen, brennt die Sonne herab. Es ist so heiß und ich bin schon so müde vom vielen Gehen. Mein Bauch ist schon ziemlich dick und ich hoffe, ich schaffe es bis nach Bethlehem. Nachts wenn ich unter der Decke liege, denke ich viel über Jesus, den Sohn Gottes, nach. Wie das alles wird mit ihm als König? Ich kann es mir so gar nicht vorstellen.

Mit fallen immer wieder die Worte des Engels ein: „Hab keine Angst Maria.“

Wenn ich an diese Worte denke, kann ich schnell einschlafen und bin wieder erfrischt für den nächsten Tag.

Eure Esther Lieberknecht