1. Advent

Wir haben dieses Jahr eine 4-teilige Erzählung für euch vorbereitet, die die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht von Maria beleuchten wird. Viel Inspiration beim Lesen und seid reich gesegnet in dieser Adventszeit!
Eure Esther Lieberknecht

Wie Maria das erste Weihnachten erlebt

Teil 1

Maria wird überrascht

Ich bin Maria, ich bin 15 Jahre alt und wohne in Nazareth bei meinen Eltern und Geschwistern. Ich bin zwar mit Joseph verlobt, aber bis zur Hochzeit wohne ich noch zuhause. Es ist schön Joseph zu kennen und zu wissen, dass er mein Ehemann wird. Er ist Zimmermann und kann für mich sorgen.

Meine Aufgabe wird es sein, zu Hause bei den Kindern und beim Vieh zu sein und die Familie zu versorgen. Ein bisschen habe ich Angst davor, werde ich das alles schaffen?  Ich bin doch noch so jung..

Ich liege noch früh am Morgen auf meiner Matte und mache mir gerade Gedanken, was heute zu tun ist, da steht plötzlich jemand an meinem Bett. Ich schrecke auf. Wie kommt denn jemand in meine Kammer? Es ist eine helle Gestalt und sie spricht mit mir. Es ist ein Engel! „Hallo Maria,“ sagt der Engel. Aha, denke ich, er kennt sogar meinen Namen. Er spricht dann weiter: „Ich komme von Gott und Gott ist mit dir. Maria, er hat dich ausgesucht“.  Wofür ausgesucht? Ich höre weiter, was der Engel zu sagen hat: „Ja, du sollst schwanger werden. Du sollst Gottes Sohn zur Welt bringen und er soll Jesus heißen.“

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Wow, ich bin geschockt, ich soll schwanger werden, ein Kind zur Welt bringen?

Ich bin doch noch gar nicht mit Joseph verheiratet? Was werden da meine Eltern und die Nachbarn sagen? Doch auch auf diese Fragen hat der Engel eine Antwort: „Gottes Kraft wird über dich kommen und dich schwanger werden lassen. Hab keine Angst Maria, es wird alles gut werden“. Es ist, als ob der Engel auf eine Antwort von mir warten würde. Ich kann nur sagen: „Ja, ich bin bereit, ich will Gott gehorsam sein“. Bei diesen Worten lässt mich der Engel alleine in meiner Kammer zurück.

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Nachher überlege ich mir: Ich, Maria, soll schwanger werden? Ich soll ein Kind bekommen? Wie sage ich das meinen Eltern? Wie sage ich es Joseph? Wird er mich verlassen? Tausend Fragen rasen durch meinen Kopf. Ganz schwindlig wird mir davon.

Gott selbst hat mich besucht, denke ich mir dann. Wer bin ich, dass mich Gott mit einem Engel besucht?

Langsam erhebe ich mich von meiner Matte. Wie benommen gehe ich zu den anderen in meiner Familie. Sie merken sofort, dass mit mir etwas anders ist. „Maria, was ist los mit dir, du bist so still, hast du nicht gut geschlafen?“, fragt mich meine Mutter. Ich gebe eine ausweichende Antwort. Mein Erlebnis muss ich erst selbst einmal verarbeiten, erst dann werde ich darüber reden können.

Am späten Nachmittag bin ich mit meiner Mutter alleine auf dem Feld. Soll ich jetzt sagen, was mich beschäftigt? „Mama“, fange ich zaghaft an „heute Morgen hat mich ein Engel besucht und mir gesagt, dass ich schwanger werde und den Sohn Gottes zur Welt bringen soll.“

Meine Mutter richtet sich auf und schaut mich erschrocken an. Auch sie ist geschockt von dieser Nachricht. „Wir werden mit deinem Vater und mit Joseph reden müssen“ ist alles, was sie vorerst einmal dazu äußert. Ja, mit Joseph reden, wird er mich noch heiraten, wenn er das alles weiß?

Nachdem mein Vater von meiner Mutter informiert wurde, was mit mir passiert ist, wird mein Bruder zu Joseph geschickt. Ich habe Angst, wie wird es mit mir weiter gehen? Werde ich verstoßen, wie andere Mädchen, die schwanger werden, bevor sie verheiratet sind?! Es dauert nicht lange, da kommt schon mein Bruder mit Joseph im Schlepptau.

Alle setzen sich nieder, meine Mutter bringt das Abendessen. Zuerst essen alle schweigend, Ich halte das Schweigen kaum aus. Doch ich weiß, das ist Männersache und die Männer werden darüber verhandeln, was zu tun ist. Nach dem Essen ziehen wir Frauen uns zurück. Mir ist ganz kalt und ich zittere an allen Gliedern. Ich habe Angst.

Endlich eröffnet mein Vater das Gespräch. Ich höre das Murmeln der Männer, verstehen kann ich nichts. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis wir Frauen zu den Männern gerufen werden. Die Stimmung ist locker und entspannt. Habe ich Grund zu hoffen, dass alles gut wird?

Mein Vater beginnt das Gespräch „Also Maria“ mein Atem stockt, was kommt als Nächstes? „Joseph wird dich heiraten wie vorgesehen, auch bei ihm war der Engel und hat ihm von deiner Schwangerschaft berichtet. Joseph ist damit einverstanden.

Oh so leicht ist das? Ich kann es nicht glauben, dass alles ohne Schwierigkeiten gehen soll.  All meine Angst war umsonst. Joseph steht zu mir, auch meine Eltern werden zu mir stehen. Jetzt kann ich mich darauf freuen, schwanger zu sein und Jesus zur Welt zu bringen.

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